Im Schatten der Revolution

LUXEMBURG 6 Sols 1790.

Das Jahr 1790 war für die Österreichischen Niederlande eines der unruhigsten des Jahrhunderts. In Brüssel und Brabant hatte sich 1789 die Bevölkerung gegen Kaiser Joseph II. erhoben, die "Brabanter Revolution" hatte die habsburgische Herrschaft ins Wanken gebracht. Mitten in diesem Chaos bestieg im Februar 1790 Leopold II. den Thron – und musste sein Herrschaftsgebiet erst wieder unter Kontrolle bringen, bevor die alte Ordnung, samt eigener Münzprägung, zurückkehren konnte.

Zu diesem Herrschaftsgebiet gehörte auch das Herzogtum Luxemburg, das seit der österreichischen Übernahme 1714 eine eigene, von Brabant und Flandern getrennte Münzprägung besass. Genau in diese Umbruchszeit fällt unsere Münze: ein 6-Sols-Stück von 1790, geprägt nicht etwa in Luxemburg selbst, sondern in der fernen Münzstätte Günzburg im habsburgischen Burgau – heute Teil Bayerns. Das kleine "H" unter der Jahreszahl auf der Rückseite verrät die Herkunft.

Die Vorderseite zeigt das gekrönte Luxemburger Wappen mit dem springenden roten Löwen, umgeben von der Titulatur Leopolds II. als Herzog von Luxemburg. Die Rückseite ist schlicht und klar: Wertangabe, Münzstättenkürzel und Jahreszahl in vier Zeilen, umrahmt von einer Perlkante – ein typisches Erzeugnis des Graveurs Jean-Baptiste Wurschbauer.

Mit einem Silbergehalt von etwas über 65 % und einem Gewicht von rund 3,2 Gramm war das 6-Sols-Stück eine Scheidemünze für den alltäglichen Zahlungsverkehr – sechs Sols entsprachen einem Escalin, 54 Sols einem Kronentaler. Trotz einer beachtlichen Auflage von über 700.000 Exemplaren gilt das Stück heute, insbesondere in besseren Erhaltungen, als gesuchtes Sammlerstück: ein handfestes kleines Zeugnis einer Zeit, in der ein fernes deutsches Städtchen im Auftrag Wiens für ein Herzogtum an der Mosel prägte.

  • Kaufkraft: 6 Sols entsprachen einem "Escalin" – damit lag die Münze im mittleren Bereich des Alltagsgeldes, nicht bei den kleinsten Kupferstücken (1 Sol, 3 Sols), aber auch weit unter dem grossen Silberstück, dem Kronentaler zu 54 Sols.
  • Tagelohn: Ein einfacher Tagelöhner oder Landarbeiter verdiente in dieser Zeit und Region oft nur wenige Sols bis etwa 15–20 Sols pro Tag. 6 Sols entsprachen also grob einem Drittel bis der Hälfte eines Tageslohns für einfache Arbeit.
  • Grundnahrungsmittel: Für 6 Sols bekam man üblicherweise ein bis zwei Laib Brot, eine Kanne Bier oder etwas Fleisch für eine kleine Mahlzeit – genug, um einen Menschen für einen Tag zu ernähren, aber kein Luxus.
  • Dienstleistungen: Ein einfaches Handwerkerprodukt (ein Paar grobe Schuhe, ein Werkzeug) kostete meist ein Vielfaches davon, oft mehrere Kronentaler.

Fazit: Ein 6-Sols-Stück war eine typische "Kleingeld"-Münze des Alltags – genug für den täglichen Einkauf auf dem Markt, aber weit entfernt von einer grösseren Anschaffung.

Eine solche Münze können Sie hier erwerben.

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