Ein Taler zur Zeit der Rheinkrise

HESSEN-DARMSTADT Vereinstaler 1859

Das Jahr 1859 versetzte die deutschen Staaten in erhebliche Unruhe – nicht durch einen eigenen Konflikt, sondern durch den Krieg, der im Frühjahr zwischen Frankreich, dem Königreich Sardinien-Piemont und Österreich in Oberitalien ausbrach. Nach den österreichischen Niederlagen bei Magenta und Solferino wuchs im Deutschen Bund die Furcht, Napoleon III. könnte seinen Sieg über Österreich zum Anlass nehmen, auch den Rhein anzugreifen – die sogenannte "Rheinkrise" von 1859. Zahlreiche Bundesstaaten, darunter auch das Grossherzogtum Hessen, mobilisierten vorsorglich Truppen, während gleichzeitig eine Welle nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls durch die deutschen Länder ging, verstärkt durch die grossen Schillerfeiern zum hundertsten Geburtstag des Dichters im selben Jahr. Aus diesem spannungsreichen Jahr, das die deutsche Einheitsbewegung entscheidend beflügelte – im Herbst 1859 wurde in Frankfurt der Nationalverein gegründet –, stammt unser Vereinstaler.

Der Vereinstaler war das gemeinsame Silbergeld nahezu aller deutschen Staaten, geschaffen durch den Wiener Münzvertrag von 1857, der den bis dahin uneinheitlichen deutschen Talerraum erstmals auf einen einheitlichen Münzfuss brachte: Aus einem Pfund Feinsilber wurden fortan 30 Taler geprägt. Auch das Grossherzogtum Hessen unter Ludwig III., der seit der Abdankung seines Vaters während der Revolution von 1848 regierte, schloss sich diesem gesamtdeutschen Münzsystem an und liess seine Vereinstaler nach den einheitlichen Vorgaben prägen.

Die Vorderseite zeigt das nach rechts blickende Bildnis Ludwigs III., umgeben von seiner Titulatur als Grossherzog von Hessen. Die Rückseite trägt, wie bei allen Vereinstalern dieser Zeit, die Wertbezeichnung "EIN VEREINSTHALER" innerhalb eines Eichenkranzes sowie die Formel "XXX EIN PFUND FEIN" als Hinweis auf den gemeinsamen Münzfuss, dazu die Jahreszahl 1859 – ein Bild, das den einzelnen Bundesstaat mit dem gesamtdeutschen Wirtschaftsraum verband.

Mit einem Gewicht von rund 18,5 Gramm bei einem Feingehalt von 900/1000 entsprach der Vereinstaler exakt dem gesamtdeutschen Standard und zirkulierte dadurch weit über die Grenzen Hessens hinaus als vertrauenswürdiges Zahlungsmittel im gesamten Zollverein.

  • Kaufkraft: Ein Vereinstaler war eine der zentralen Umlaufmünzen des bürgerlichen Alltags – ausreichend für einen soliden Wocheneinkauf, jedoch noch keine grössere Anschaffung.
  • Tagelohn: Ein Facharbeiter oder Handwerksgeselle in den deutschen Staaten verdiente um 1859 häufig zwischen einem halben und einem ganzen Taler pro Tag, sodass ein Vereinstaler ungefähr ein bis zwei Tageslöhnen entsprach.
  • Grundnahrungsmittel: Für einen Taler liess sich eine ansehnliche Menge an Brot, Fleisch und anderen Grundnahrungsmitteln erwerben – genug, um eine Familie mehrere Tage lang zu versorgen.
  • Dienstleistungen: Für Handwerksarbeiten, ein Paar solide Schuhe oder einen Arztbesuch musste man in der Regel bereits deutlich mehr als einen Taler aufwenden.

Fazit: Ein Vereinstaler von 1859 war weit mehr als gewöhnliches Umlaufgeld – er war ein handfestes kleines Zeugnis jener Jahre, in denen der gemeinsame Münzfuss die deutschen Staaten wirtschaftlich enger zusammenbrachte, während ein Krieg jenseits der Alpen die politische Einheitsbewegung im Deutschen Bund erst richtig entfachte.

Eine solche Münze können Sie hier erwerben.

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